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01.03.16

Internationale Tagung "Nackte Gestalten / Naked Revival" (7.-9. April 2016)


Die von Prof. Dr. Luca Giuliani und Dr. Nicole Hegener (beide Teilprojekt B10 des SFB 644 „Transformationen der Antike“) an der Humboldt-Universität zu Berlin organisierte internationale Tagung „Nackte Gestalten: Die Wiederkehr des antiken Akts in der Renaissanceplastik / Naked Revival: The Return of the Ancient Nude in Renaissance Sculpture“ (7.-9. April 2016) richtet sich an Archäologen und Kunsthistoriker, Kultur- und Literaturwissenschaftler, Theologen und Medienwissenschaftler sowie die interessierte Öffentlichkeit. Es sprechen 24 namhafte Fachvertreter aus ganz Europa. Das Thema „Aktfigur“ erlangte mit dem Besuch des iranischen Präsidenten Hassan Rouhani in Rom am 26. Januar d.J. eine ungeahnte Aktualität: Aus Rücksicht auf den islamischen Gast hauste man einige der berühmtesten antiken Aktstatuen der Kapitolinischen Museen in Holzkisten ein.

Wie nahm man in der Renaissance antike Aktfiguren wahr? Wie kam es dazu, daß die Piazza della Signoria in Florenz im 16. Jahrhundert ein Freilichtmuseum nackter Riesen wurde? Spätestens seit der Aufstellung von Michelangelos David (1504), der kolossalen Aktstatue seit der Antike, nahm man keinen Anstoß mehr an nackten Statuen selbst riesenhaften Formats. Überwiegen im Mittelalter christliche Aktdarstellungen (Märtyrer, Verdammte in der Hölle, Adam und Eva, Gekreuzigter Christus), also in der Regel leidende, sich genierende Nackte, so feiern die Bildhauer der Renaissance die Schönheit des menschlichen Körpers wie in der Antike als Ideal und geradezu Göttliches. Zwar finden sich unter den mittelalterlichen Aktfiguren zahlreiche mit explizitem Antikenbezug (Motivzitate von Sarkophagreliefs, Dornauszieherdarstellungen), doch erst in der Renaissance gewinnt die Aktfigur in allen Kunstgattungen, vor allem aber in der Plastik, eine dominierende Rolle; in keiner anderen Epoche seit der Antike finden sich vergleichbar zahlreich und vielfältig Nackte antiker Ikonographie: Apoll und David, Herkules und Merkur, Faune und Wettkämpfer, Venus und Diana, Badende und Nymphen.

Die Darstellung völliger Nacktheit an sich ist in der Neuzeit schon ein Antikenzitat. Zugespitzt ließe sich sagen, daß die Renaissance mit der Wiederkehr der antiken Aktfigur beginnt oder sich wesentlich durch die Gestaltung des nackten Leibes konstituiert. Am Höhepunkt dieser Entwicklung markiert das Konzil von Trient (1545–1563) eine Zäsur. Denn dann beginnt eine Zensur der Nacktheit, man sich in einer neuen Prüderie der vielen Nackten in Malerei und Plastik zu schämen und das Konzept „sakraler Nacktheit“ zu verachten: Daniele da Volterra ließ man den Nackten von Michelangelos Jüngsten Gericht jene Höschen aufsetzen (1565), die ihm den Beinamen „Braghettone“ einbrachten, und nicht nur Michelangelos Auferstandenen Christus in S. Maria sopra Minerva in Rom und Baccio Bandinellis Figurenpaar Adam und Eva im Chor des Florentiner Doms verhüllte man über der Scham.

Im Mittelpunkt der Tagung stehen Aktfiguren aller plastischen Gattungen von Donatello und Verrocchio, Michelangelo und Cellini bis hin zu Giambologna. Aufgrund ihrer Antikennähe werden Renaissanceakte allgemein häufig mit dem Einheitsetikett „antikisierend“ abgestempelt ohne Vorbilder zu benennen oder die Merkmale der Aktdarstellung näher zu charakterisieren. Unvoreingenommen soll hinterfragt werden, was es ausmacht, daß aus dem „Akt eine Form der Bekleidung“ (John Berger, 1972) wird. Wie gestaltet sich der Wandel vom göttlichen, heroischen oder idealen Akt der griechischen und römischen Antike (Bernard Andreae, Nikolaus Himmelmann) zur „antikisierenden“ Aktfigur der Renaissance? Wie verläuft in der westlichen Kultur, die stark von der christlichen Tabuisierung von Erotik geprägt ist, jener transformierende Prozeß der Wiederkehr der antiken Aktstatue?

Kontakt und Anmeldung (bis zum 1. April):

DR. NICOLE HEGENER, Humboldt-Universität zu Berlin, SFB 644, Teilprojekt B 10, E-mail: nicole.hegener@culture.hu-berlin.de


Nackte Gestalten Plakat
Nackte Gestalten Programm