Imperiale Deutungsmuster: Das Imperium Romanum als politische Reflexionskategorie



 

Teilprojektleiter: Prof. Dr. Herfried Münkler, Prof. Dr. Karsten Fischer (Institut für Sozialwissenschaften)

Wissenschaftliche Mitarbeiter/innen:

Eva Hausteiner M.A., Andreas Lotz (Dipl.-Pol.), Marco Walter lic.rer.soc, Dr. Grit Straßenberger (Grundausstattung), Dipl.-Soz. Felix Wassermann (Grundausstattung), Sebastian Huhnholz MA (kooptiert)

 

Unterprojekt 1: Imperiale Selbstreflexion anhand des Imperium Romanum (Eva Hausteiner, Andreas Lotz)

Unterprojekt 2: Das Imperium Romanum im Dekadenzdiskurs (Marco Walter)

 

Die römische Imperiumsidee ist eine der politiktheoretisch prominentesten und politisch wirksamsten Legitimationsformeln politischer Herrschaft. So arbeitet der Titel »Imperiale Deutungsmuster« bewusst mit einer Doppeldeutigkeit: erstens werden Deutungsmuster imperialer Politik thematisiert, zweitens kommt diesen innerhalb der entsprechenden Diskurse ihrerseits imperiale Bedeutung und Überzeugungskraft zu. Im Rückbezug auf römische Imperiumspolitik liegt gleichsam eine Machtressource für imperiale und antiimperiale Akteure, deren Reflexivität die Leitperspektive des Teilprojekts ausmacht: Wie beobachten sich politische Akteure im Spiegel der römischen Reichsgeschichte selbst, um sich für die Bewältigung anstehender Aufgaben zu wappnen?

Die Einnahme einer solchen Beobachtungsperspektive zweiter Ordnung soll im Schnittbereich von politischer Ideengeschichte, politischer Theorie und politischer Publizistik sowie unter Nutzung von Forschungsergebnissen der politischen Ikonographie und kulturindustriellen Erzeugnissen erfolgen. Mit einer methodisch diskurstheoretischen Orientierung auf strukturelle, funktionale, semantische und epistemische Anknüpfungen wird das Imperium Romanum als sich durch alle Zeiten hindurch ziehende politische Reflexionskategorie für die Selbst- und Fremdwahrnehmung von Imperien vorgestellt.

Das Teilprojekt integriert dafür zwei komplementäre Unterprojekte. Deren gemeinsame methodische Aufgabe besteht in einem ideenhistorisch und politiktheoretisch typologisierenden Vorgehen, soll heißen: in einer begriffsbildenden und auf die Identifizierung wiedererkennbarer Deutungsmuster abzielenden Systematisierung von instrumentellen und reflexiven Anverwandlungen der römischen Imperialgeschichte.

Unterprojekt 1 untersucht die britischen Selbstverständigungsdiskurse während des 19. Jahrhunderts sowie die Selbst- und Fremdbeobachtung der USA während der letzten zwei Jahrzehnte. So gilt es in diesem Unterprojekt einerseits, die Vorbildfunktion römischer Geschichte für das britische Weltreich zu analysieren. Andererseits soll das über das Britisch Empire indirekt vermittelte imperiale Reflexionspotential Roms für die USA aufgezeigt werden. Denn deren Selbst- und Fremdevaluation hat erst in jüngerer Zeit zunehmend begonnen, die USA auch, aber eben nicht nur im Spiegel Roms zu referentialisieren.

Unterprojekt 2 perspektiviert das politische Interesse am Imperium Romanum anhand des im römischen Republikanismus wurzelnden Dekadenzmotivs. Dessen Transformationen und Nutzbarmachung für politische Ziele unterschiedlichster Herkunft gilt es nachzuzeichnen und offenzulegen. So wird die Dekadenz beispielsweise gleichermaßen zur Verteidigung von sich ausschließenden Staatsformen herangezogen und bringt es in einer imperialen Deutung sogar bis zum »Exportschlager« (Karsten Fischer), um angeblich unzivilisierte oder widerständige Bevölkerungen zu zivilisieren und zu befrieden.