Diversität und Alterität. Bildliche Transformationen römischer Historie(n) in der italienischen Renaissance



Teilprojektleiter: PD Dr. Peter Seiler (Institut für Kunst- und Bildgeschichte)

Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen: Dr. Michail Chatzidakis, Dr. Ursula Rombach

Unterprojekt 1:
Ereignisimagination und Diversität (Dr. Michail Chatzidakis , Dr. Ursula Rombach)

Unterprojekt 2: Objektreferentialität und Alterität (PD Dr. Peter Seiler, Dr. Ursula Rombach)

Im Teilprojekt B03 werden Transformationen antiker Historie(n) im Medium bildlich-narrativer Darstellungen der Renaissance anhand der Leitkategorien ›Diversität‹ und ›Alterität‹ in den Blick genommen. Untersuchungsgegenstand sind Darstellungen primär literarisch tradierter römischer Geschichte. Auf verschiedenen Bildträgern realisiert (von der Buchmalerei über die Cassonemalerei zur Wandmalerei) gehören sie vor allem in Rom, Florenz und oberitalienischen Städten zum Kernbestand visueller Antike-Bilder, da sie im Modus bildkünstlerischer Imagination antike Welten mit hoher bildrhetorischer Evidenz inszenieren. Dabei werden nicht nur Spezifika von Transformationsprozessen analysiert, sondern es wird auch gefragt, wie der Wandel und die zunehmende Diversifikation von Antike-Bildern die an sie geknüpften Geltungsansprüche konditionieren, Kanones generieren oder negieren, deren Autorität limitieren bzw. destabilisieren oder neu konfigurieren bzw. affirmieren.

Das erste Unterprojekt beleuchtet die literarisch fundierte Imagination der Bildhistorien und untersucht in Bild und Text anhand politischer, ethischer, wissenshistorischer, medialer und ästhetisch-gestalterischer Kategorien die Genese der Diversität in den Darstellungen römischer Geschichte als Transformationsprodukt. Da Darstellungen antiker Historien wie alle Historienbilder auf Textreferenz angewiesen sind, steht die Analyse von Text-Bild-Relationen auf den Ebenen der Ereignisimagination und inhaltlichen Deutung im Zentrum der Projektarbeit.

Die für die Entstehung der Historiendarstellungen relevanten antiken Ereignisberichte sowie deren nachantiken Transformationen werden eruiert und analysiert und auf Kanonbildung hinterfragt. Thematische Bildtypen (Schlacht, Tribunal, Adlocutio, Triumph) werden als bildliche Selektionsfilter und Fixierung sozialer und politischer Handlungsmuster in den Blick genommen. Die Diversität der bildkünstlerischen Transformationen wird unter Berücksichtigung von Anlass, Auftraggeber und Medium sowie der jeweils aufgerufenen Wissensbestände untersucht. Erfasst und kommentiert werden dabei vor allem politische und ethische Deutungsmuster, die Rückschlüsse auf potentielle Rezipientengruppen und Geltungsansprüche ermöglichen.

Das zweite Unterprojekt erfasst und analysiert vor dem Hintergrund in erster Linie literarisch fixierter antiquarischer und künstlerischer Antikenstudien das bildliche Repertoire, das zur visuellen Inszenierung und Markierung der Alterität antiker Kultur eingesetzt wurde. Basierend auf den Leitkategorien ›Objektreferentialität‹ und ›Imagination‹ werden die Bedingungen der Adaptation antiquarischen Wissens sondiert: Welche antiquitates finden Eingang in die wichtigsten thematischen Bildtypen (UP 1)? Welche Rolle spielen Trägermedium und Maltechnik? Gibt es künstlerspezifische Formen der Adaptation antiquarischen Wissens? Führt das vermehrte antiquarische Wissen im 16. Jahrhundert zu einem generell höheren Wissensniveau der Alteritätsmarkierungen?

Anhand von Einzelstudien zu ausgewählten Bildthemen (UP 1) sollen epochenübergreifende Transformationsketten und -prozesse exemplarisch untersucht werden. Eine prominente Rolle spielt hier die Darstellung antiker Bauten und Ehrenmonumente in römischen Bildhistorien. Erkennbar sind Bestrebungen antiquarischer Korrektheit ebenso wie die Relevanz von Darstellungskonventionen, aber auch kreative Spielräume für imaginative Antike-Szenerien jenseits topographischer Sachkenntnis.

Im Rahmen einer komparativen Zusammenführung der Einzelstudien beider Unterprojekte soll untersucht werden, welche Modi der Alteritätsmarkierung mit welchen Kategorien der Diversität korrespondieren und inwieweit sich eine Typik verschiedenartiger Antike-Bilder mit klar konturierten Geltungsansprüchen und Funktionen ermitteln lässt.