Wunschwelt Antike: Orte, Programme und Materialien um 1800



Teilprojektleiter: Prof. Dr. Horst Bredekamp (Kunstgeschichtliches Seminar), Prof. Dr. Andreas Scholl (Antikensammlung, Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz Berlin)

Wissenschaftliche Mitarbeiter/innen: PD Dr. Charlotte Schreiter, Marcus Becker M.A., PD Dr. Annette Dorgerloh, PD Dr. Michael Niedermeier (Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften / kooptiert), Dipl.-Phil. Sylvia Brehme (Grundausstattung)

Unterprojekt 1: Angestammte Antiken: Die Erfindung des »englischen« Gartens und seine Voraussetzungen (Marcus Becker, PD Dr. Annette Dorgerloh, PD Dr. Michael Niedermeier)

Unterprojekt 2: Panoramen der Antike: Gipsabgusssammlungen im 19. Jahrhundert und die Transformation der Wahrnehmung antiker Kunst (Dr. Charlotte Schreiter)  Opens external link in current windowZum Mediawiki-Projekt "Formatori"

Anhand eines durch Kopien geformten Antikenkanons hat die »Wunschwelt Antike« um 1800 eine markante Form kultureller Vergewisserung hervorgebracht. In Variationen von Antike wurden genealogische Legitimationen und neue hegemoniale Ansprüche verfestigt. Wie die künstlichen Naturräume des »englischen« Gartens zu einem Leitmedium aufstrebender Fürstenhäuser wurden und wie sich in der Nachfolge des napoleonischen Kunstraubes die Wahrnehmung antiker Kunst programmatisch veränderte, ist Gegenstand des Teilprojekts.

Ziel des Unterprojekts 1 ist es, mit dem Blick auf die intensiven, dynastisch motivierten Wechselbeziehungen zwischen deutschen Fürstenhäusern und dem England der Hannoveraner die Herausbildung des »englischen« Gartens zu erhellen. In wenigen Medien lässt sich die Transformation und Indienstnahme der konstitutiven konkurrierenden Antikebilder so plastisch nachvollziehen wie in den frühen Landschaftsgärten und den um sie geführten Debatten über ästhetische Wahrnehmung, Natur und Geschichte. Die durch die Übernahme des englischen Throns durch die Hannoveraner bedingte antikisierende Rückbindung der dynastischen Herrschergenealogien der deutschen Häuser Hannover, Hessen, Sachsen-Gotha, Anhalt oder Mecklenburg an trojanisch-römische, antik-germanische oder vandalisch-wendische Anciennitätsmuster zur Behauptung einer Kontinuität der Verbindung von Herrschaft und Landschaft soll in ihren im Landschaftsgarten erbrachten ethischen, ästhetischen, philosophischen und politischen Transformationen dieser Antiken sichtbar gemacht werden.

In Unterprojekt 2 führt die Dimension der Verwissenschaftlichung im Umgang mit antiker Plastik zur Frage nach ihrer institutionalisierten Vereinnahmung als Folge des napoleonischen Kunstraubes. Indem sich der universitäre, akademische und museale Bereich als Autorität etablierte, kam es zu einer räumlichen Verlagerung der Präsentation antiker Kunst und zu einem zunehmenden Dialog mit einer größeren bürgerlichen Öffentlichkeit. Gipsabguss-Sammlungen erhielten in diesem Zusammenhang einen paradigmatischen Charakter, der in seinen Transformationsleistungen bei der Bildung von Panoramen antiker Kunst für das 19. Jahrhundert gefasst werden soll.