Konkurrenz der Altertümer. Deutschlands Antikentektonik in der Epoche der Historisierung



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Illustration aus Harald und Theano. Eine Dichtung in fünf Gesängen von Felix Dahn.  Illustriert von Johannes Gehrts. Leipzig 2. Aufl. 1855.

Teilprojektleiterin:

Prof. Dr. Andrea Polaschegg (Institut für deutsche Literatur)

Wissenschaftliche Mitarbeiter/innen:

Dr. Michael Weichenhan, Friederike Krippner M.A.

Unterprojekt 1: Zeitkonkurrenz. Pluralisierung und Transformation der Altertümer in der Entwicklung der Philologien zwischen 1800 und 1850 (Dr. Michael Weichenhan)

Unterprojekt 2: Formkonkurrenz: Konfrontation und Transformation der Altertümer in der deutschen Versdichtung des 19. Jahrhunderts (Prof. Dr. Andrea Polaschegg)

Unterprojekt 3: Raumkonkurrenz: Konfrontation und Transformation der Altertümer auf der deutschen Dramenbühne des 19. Jahrhunderts (Friederike Krippner M.A.)

 

Dass sich die Antike im Zuge ihres umfassenden Historisierungs- und Pluralisierungsprozesses im 18. Jahrhundert von einer Instanz überzeitlicher Geltung in einen spezifischen Zeit-Raum der Vergangenheit verwandelte, dessen normative Kraft für die Gegenwart eigens hergestellt werden musste, ist in der Forschung mittlerweile ebenso unumstritten wie die zentrale Bedeutung der Altertumskunde für diese grundlegende Transformation.

Außerhalb der wissenschaftlichen Aufmerksamkeit lag bislang allerdings der Umstand, dass um 1800 das anthropologische Paradigma der Aufklärung einer dezidiert kulturgeschichtlichen Perspektive auf die Antike wich und sich dabei irreversible Differenzen zwischen den Völkern des Altertums auftaten, die nicht mehr in universalmenschlichen Ursprungsfiguren aufgehoben werden konnten. Dadurch vervielfältigte sich zugleich das axiologische Konzept ›Altertum‹, sodass die griechisch-römische Antike im 19. Jahrhundert von nordischen und orientalischen Altertümern umgeben war, die ihr den exklusiven Anspruch auf ästhetische und kulturelle Geltung streitig machten.

Insbesondere in Deutschland als einer Nation ohne Territorialstaat besaß die Suche nach den eigenen Ursprüngen auf dem raumzeitlichen Gebiet der Antike ein hohes Maß an politischer Brisanz und wurde mit entsprechendem Nachdruck betrieben. So präsentiert sich die vom Teilprojekt untersuchte Epoche zwischen den napoleonischen Eroberungen und der Reichsgründung in Deutschland als diskurshistorisches Feld, auf dem die verschiedenen Altertümer in Ursprungskonkurrenz zueinander traten und sich auf diese Weise das axiologische Konzept ›Altertum‹ neu formierte.

Während sich also die kulturhistorische Transformation der Antike um 1800 als Bedingung der Möglichkeit besagter Konkurrenz der Altertümer um den Rang einer historisch relevanten Bezugsgröße erweist, fragt das Projekt nach den Transformationseffekten, die sich im Gegenzug aus der Altertumskonkurrenz für die Antike im Laufe des 19. Jahrhunderts ergeben haben.


Der Fokus der Forschung liegt dabei auf den zeitlichen und räumlichen Ordnungsmodellen, innerhalb derer die Konkurrenzen und Korrelationen der verschiedenen Altertümer prozessiert, kommuniziert und inszeniert worden sind. Da das für die Pluralisierung der Altertümer um 1800 maßgebliche Medium die Sprache gewesen ist, konzentriert sich die Forschung des Teilprojekts auf die deutsche Philologie- und Literaturgeschichte, um von dort aus in den drei Unterprojekten die transformatorischen Auswirkungen der Altertumskonkurrenz im 19. Jahrhundert zu untersuchen und auf ihr Potential zur Konstitution kultureller und nationaler Identitäten hin zu befragen.